An einem Montag im Oktober besuchten wir den Hölderlinturm mit zugehöriger Sonderausstellung „Schreiben für die Seele“ und den Museumsgarten.
Friedrich Hölderlin lebte 73 Jahre, von 1770 bis 1843. Mit 14 begann er sich künstlerisch auszudrücken, in Form von hunderten Skizzen, Gedichten, etc., er ist jedoch für seine rund 50 Gedichte am bekanntesten.
Seine letzten 36 Jahre lebte er im Hölderlinturm, in dem er von der Familie Zimmer gepflegt wurde. Davor war er -je nach Quelle- 231 bis 234 Tage in der Poliklinik nebenan (heutige Burse), in der damalige Heilversuche, heutzutage Foltermethoden, praktiziert wurden, wie z.B. vollständige Isolation, eine Maske, mit der er weder reden noch gut atmen konnte. Eine Nachbildung dieser Maske ist in der Ausstellung enthalten. Zudem bekam er dort erstmalig Papierverbot, sodass er seine Gedanken nicht aufschreiben konnte, welches gegensätzlich zu heutigen Therapiestandards gehört, da diese im bestimmten Rahmen darauf fokussieren, sich auszudrücken, um so den Patienten besser zu verstehen und denjenigen dadurch besser auf dem Weg der Besserung begleiten zu können.
Die meisten Gedichte, die Hölderlin im Turm schrieb, waren später als „Turmgedichte“ bekannt, wobei er das erste in ein Stück Holz hinein ritzte, da der Drang, sich auszudrücken so stark war, dass er es nicht unterlassen konnte. Zu Ehren dieses kurzen Gedichts wurde sein Papierverbot aufgehoben, sodass er künftig sehr viel mehr geschrieben hatte, größtenteils über Jahreszeiten, Wetter, etc.
Vieles aus seinem Leben erzählt die Ausstellung, um ihn und seine Gedichte so weiter lebendig zu halten sowie Besucher auch durch Karten mit Inspiration zum Schreiben der Lyrik näherzubringen.
Genau wie das Thema Lyrik thematisiert die Turmausstellung auch das Thema psychische Gesundheit, indem an verschiedenen Stationen geschrieben werden kann. Auch Interviews von einer ehemaligen Patientin der KJP und dem Oberarzt Dr. Maria Barth können angehört werden.
So bietet die Ausstellung einen Rundumblick über das Thema „Schreiben für die Seele“ und Friedrich Hölderlin, was nach meinem Geschmack einen sehr aufschlussreichen Ausflug ergeben hat.
A.
