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Der Schule entflohen….

9.02.2026

Die KJP wird erweitert und bekommt einen Anbau. Was zunächst erfreulich ist, bedeutet im (Klinikschul-) Alltag für die kommenden zwei Jahre Baulärm, Einschränkung und Provisorium. Von der Bauleitung wurden im Winter einige Tage ausgewiesen, an denen erschütternde Bohrarbeiten an den Grundmauern geplant sind, sodass an diesen Tagen kein Unterricht möglich wäre. Also machten wir uns auf die Suche nach wetterunabhängigen, außerschulischen Lernorten. Ideen gab es viele, von Museen bis Minigolfen, allerdings war das meiste nicht ab 8 Uhr morgens verfügbar und/oder kostete sehr viel Geld und war nicht unbedingt ein „Lernort“. Aber schließlich haben wir für die ersten drei angekündigten Baulärmtage gute Alternativen gefunden:

Tübinger Rathaus

Am anvisierten ersten Baulärmtag nutzten wir das Tübinger „chocolART“-Festival und besuchten die begleitende Ausstellung im Rathaus. Leider war diese sehr überschaubar und schnell gesehen, sodass wir bald im 1. Stock in der Ahnengalerie der Tübinger OBs gelandet sind, die gespickt war mit lustigen Memes. Warum aber hingen einige Bilder so derart schief? Erstaunlich schnell kam ein (nicht ortsansässiger) Schüler auf die Lösung: Alle OBs mit zweifelhafter NS-Vergangenheit hängen schief, bei Herrn Scheef war sogar das NS-Parteiabzeichen am Revers übermalt worden, wie uns die interaktive Tafel informierte.

Als ungeplanter Höhepunkt hat uns die Assistentin von Oberbürgermeister Palmer, Frau Ritscher, eine kleine spontane Führung durch den Öhrn gegeben, der sonst nicht für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Sie wusste viel zu erzählen über die Inhalte und Art der Wandbemalung und zeigte uns auch das Trauzimmer, das mit seinen gemalten Vorhängen an die Gerichtspraxis des Mittelalters erinnern sollte, wo die Gerichtsverhandlungen nur durch einen Vorhang abgetrennt öffentlich auf dem Marktplatz stattfanden. Schließlich zeigte Frau Ritscher uns noch das Goldene Buch der Stadt und gab einige Anekdoten rund um die Eintragungen zum Besten.

Als die Zeit zum Aufbruch war, sagte eine Schülerin: „Es ist wie immer bei Schulausflügen: Zuerst denkt man, es wird doof und langweilig und dann will man gar nicht mehr weggehen!“ Nun ja, der Rückweg wurde immerhin versüßt mit dem Rundgang über den noch leeren Schokomarkt, wo uns an vielen Ständen eine Kostprobe angeboten wurde.

Die Stadtbücherei

Für den nächsten angekündigten Baulärmtag besuchten wir die Stadtbücherei, die wir morgens vor der Öffnungszeit ganz für uns allein hatten. Die Mitarbeiterin Frau Kreiser-Hild gab uns zunächst einen Überblick über das digitale Angebot, dann ging es durch die verschiedenen Abteilungen, bis wir in der neu eingerichteten Jugendbibliothek im wahrsten Sinne des Wortes hängen blieben. Die Jugendbibliothek ist von und mit Jugendlichen konzipiert und eingerichtet worden, alles nachhaltig aus recycelten Gegenständen. Nun durften alle in der noch leeren Stadtbücherei rumstöbern, manche liehen sich Bücher auf den Klinikschulaccount aus, eine Schülerin setzte sich ans Klavier und spielte nur hörbar über Kopfhörer und wieder andere suchten in der Kinderabteilung nach Büchern ihrer Kindheit und lasen sich daraus gegenseitig vor.

Als letzten Programmpunkt hatte die Stadtbücherei ein Book-Casting vorbereitet, wobei die Bücher aus verschiedenen Genres in Umschlägen versteckt waren und die Gruppe über „Blind-Auditions“ in mehreren Runden ihr Lieblingsbuch kürte. Das hat Lust auf Lesen gemacht und so blieben wir noch ein wenig, als die Bücherei schon für den Publikumsverkehr öffnete. Zwei von uns mussten nun leider mit dem Auto abgeholt werden, aber der Rest schlenderte langsam über den Weihnachtsmarkt zur KJP zurück.

KI-Makerspace

Ein besonderes Highlight unserer Baulärmtage war mit Sicherheit Ende Januar der KI-Makerspace im ehemaligen Casino am Neckar. Auch hier war man uns gegenüber so wohlwollend, dass wir eine gesonderte Führung außerhalb der Öffnungszeiten bekamen. Zunächst gab es einen Rundgang durch alle Werkstätten mit entsprechenden Erklärungen, was man dort wie machen oder herstellen kann. Danach durften sich alle nach Gusto auf die Werkstätten verteilen. Schnell kristallisierten sich die Favoriten heraus: Die Jungs stürmten das Musikzimmer, wo man am DJ-Pult viele Instrumente ausprobieren, mit KI- Musik produzieren und eigene Songs aufnehmen und abmischen konnte. So entstanden neue Songs mit wunderbaren Gesangseinlagen. In der Laserwerkstatt gab es mit Mr. Beam einen Lasercutter, mit dem man Motive auf Sperrholz eingravieren durfte. Da wurde gleich die Lieblingsband für die Klinik-Zimmerwand verewigt und Frau Volck gönnte sich einen neuen Schüsselanhänger. 

Auch aus der Programmierwerkstatt durfte man Produkte mit nach Hause nehmen. Hier konnte man zunächst Graphiken digital bearbeiten und mit einem Schneideplotter ausschneiden, um sie dann auf T-Shirts oder Taschen zu drucken. Man konnte mit den erstellten Motiven aber auch Sticker herstellen, was großen Anklang fand. Es gab noch einiges anderes, wie Filme erstellen (mit Clip- Art) oder einen Miniroboter programmieren. Aufgrund der vielen Möglichkeiten hoffen wir, zum nächsten Baulärmtag wiederkommen zu dürfen.

Apropos Baulärm: Was hat man denn nun eigentlich parallel auf der KJP-Baustelle an Lärm gehört? Funfakt: Genau gar nichts-an allen drei Tagen!!! Wir waren trotzdem gerne der Schule entflohen.